Was ist guter Klang?

Guter Klang ist Geschmackssache. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen von dem, was er als gut befindet. Diese beruhen auf unterschiedlichen Erfahrungen im Laufe eines Lebens. Manche haben schon in Ihrer Jugend die „Loudness“-Taste des Verstärkers gedrückt, um eine Anhebung im Bass- und Höhenbereich zu erreichen. Andere präferieren eine mittenlastige Wiedergabe, da dort „die Musik stattfindet“, also die meisten Musikinstrumente zu hören sind. Eine leichte schmalbandige Anhebung im Bereich der unteren Höhen erhöht die Präsenz, was manchen gefällt, andere als unnatürlich bezeichnen und ablehnen. Die Unterschiede zwischen „hartem“ und „weichem“ Klang bestehen oft nur aus kleinen oder größeren Abweichungen vom linearen Frequenzgang. Ein wirklich linearer Frequenzgang wird nicht von jedem Menschen bevorzugt. Das wichtigste allerdings ist, dass es sich dabei um Gewohnheiten handelt, die auch wieder geändert werden können. Man gewöhnt sich im Laufe der Zeit an einen bestimmten Klang und kann sich diesen auch wieder abgewöhnen. Natürlich spielt auch die Art der Musik eine große Rolle, Liebhaber von Klassik, die auch gerne auf Konzerte in großen Sälen gehen, bevorzugen oft einen anderen Klang als Rockliebhaber, die kleine Konzerte in kleinen Clubs vorziehen. Große Säle sind in der Regel frei von Eigenmoden, die die Lautstärke im Bassbereich anheben und weisen eine höhere Absorption in den Höhen auf, da die Entfernung von Schallquelle, dem Orchestergraben, zum Hörer größer ist und die Luft als Hochtonabsorber wirkt. In kleinen Clubs dagegen neigt der Bassbereich oft zum Dröhnen. Davon abgesehen ist der Verlauf des Frequenzganges nur vom Tontechniker und seinen Vorlieben abhängig, eine vernünftige Beschallungsanlage vorausgesetzt. Diese Vorlieben schlagen sich auch auf die Wahl von Lautsprechern nieder, Manche bevorzugen direkte Lautsprecher, Andere bevorzugen indirekte Lautsprecher, mit der Begründung, dass sie nicht von den Lautsprechern angebrüllt werden möchten.
Da jeder Mensch eine eigene Kopfform und Ohrengröße mit entsprechendem Verlauf des Gehörganges hat, sind die Voraussetzungen der Aufnahme des Schalls auch unterschiedlich. Diese Unterschiede sind größer als viele erwarten würden und wirken sich auf den Frequenzgang und die Räumlichkeit aus, also auf die Größe der wahrgenommenen Bühne. Die Fletcher-Munson-Kurve verdeutlicht, dass unterschiedliche Frequenzen einen unterschiedlichen Pegel aufweisen müssen, um als gleich laut zu gelten und dass Frequenzen zwischen 3 kHz und 5 kHz am lautesten wahrgenommen werden. Allerdings wurde diese Kurve seit Erstellen im Jahr 1933 nach weiterer Forschung und anderen Testreihen geändert. Werden die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen genauer angeschaut, stellt sich hier auch eine große Varianz heraus, es treten also recht große Abweichungen von der gemittelten und veröffentlichten Kurve auf.
Eine Untersuchung der Southampton University aus dem Jahr 1989, in der verschiedene Lautsprecher von mehreren Teilnehmern miteinander verglichen wurden, ergab, dass bei manchen Klangbeispielen eine große Übereinstimmung herrschte, bei einer bestimmten Probe aber sehr große Unterschiede wahrgenommen wurden. Bei dem Test wurde ein Klang erst von einem Lautsprecher abgespielt und dann von vier anderen Lautsprechern. Die Testpersonen sollten dann bestimmen, welcher der anderen vier Lautsprecher dem ersten am nächsten kommt. Bei dem erwähnten Klangbeispiel mit den Abweichungen bevorzugten ca. 20% der Teilnehmer Lautsprecher 1, ca. 10% Lautsprecher B, ca. 50% Lautsprecher C und ca. 20% Lautsprecher 4. Ein Teilnehmer gab an, dass keiner der vier Lautsprecher so klang wie der zuerst gehörte. (Quelle: „Recording Studio Design – Second Edition“ von Philip Newell, Seite 399)
Aus diesem Grund gibt es auch so viele Lautsprecherhersteller, die „den besten Lautsprecher“ bauen. Es handelt sich dabei um persönliche Vorlieben.
Eine große Rolle spielt auch die Musiksammlung. Wenn diese aus vielen Stücken mit mittelmäßiger Produktion besteht, wird in der Regel ein Lautsprecher gewählt, der die kleinen Fehler in der Produktion ausbessert und einen „runden Klang“ bietet. Bei richtig guten Aufnahmen gehen hierbei wiederum Informationen verloren, die ein schonungsloser Lautsprecher eins-zu-eins wiedergibt und in dem Fall „besser klingt“.
Insgesamt gibt es also Unterschiede beim Klangbild, die die Raumakustik des Raumes, in dem Sie sitzen und Musik hören, unterstützen kann. Wer einen kompakten, schnellen Bass mag, der kommt um Bassfallen kaum herum, im Gegensatz zu dem, der es gerne dröhnend mag. Wer einen harten, drahtigen Sound bevorzugt, sollte sich Bassfallen und Mitteltonabsorber zulegen, aber keine Absorber im Hochtonbereich. Für Liebhaber eines mittenlastigen Klangs sind eher Hochtonabsorber interessant. Wer eine große Bühne und raumerfüllenden Klang möchte, braucht Diffusoren, gerne an der Frontwand hinter den Lautsprechern. Diese können dann mit den entsprechenden Absorbern und Bassfallen kombiniert werden, um auch den Frequenzgang anzupassen.