Nachhallzeit und direkte Reflexionen

Die Nachhallzeit, auch RT60 genannt, sollte in einem bestimmten Bereich liegen, der bei privaten Hörräumen allerdings nicht so eng gefasst werden werden muss, wie in Regieräumen von Tonstudios. Solange hier keine extremen Werte auftreten, ist die Nachhallzeit nicht die wichtigste Komponente bei der Beurteilung der Raumakustik. Ist diese allerdings aufgrund zu vieler Absorber sehr kurz, entsteht ein steriler Klang und da in der Natur keine Räume mit sehr kurzer Nachhallzeit vorkommen, kann es zu einem bedrückenden Gefühl kommen, sodass der Spaß beim Hören der Musik beeinträchtigt wird.
Wichtig ist, dass die Nachhallzeit bei allen Frequenzen möglichst ähnlich ist, was im Bassbereich aufgrund der stehenden Wellen allerdings nur schwer zu erreichen ist.
Die stehenden Wellen sind auch der Grund dafür, dass es keinen Sinn macht, den Bassbereich mithilfe von Nachhallzeitmessungen zu untersuchen. Diese werden immer in Oktaven, bzw. Terzen vorgenommen, stehende Wellen treten aber nur schmalbandig bei einzelnen Frequenzen auf. Werden hier noch die benachbarten Frequenzen innerhalb einer Terz zu einem Wert zusammengerechnet, können zwar prinzipiell Aussagen darüber getroffen werden, ob der Bassbereich länger nachschwingt, als andere Frequenzbereiche, welche stehende Welle allerdings genau dafür verantwortlich ist, verrät die Nachhallzeit nicht. Eine effektive Behandlung des Bassbereiches ist durch eine Nachhallzeitmessung alleine also nicht zu bewerkstelligen.

Für einen linearen Frequenzgang, vor allem aber die exakte Ortbarkeit der wiedergegebenen Instrumente ist die Vermeidung von direkten Reflexionen oft wichtiger als die Nachhallzeit. Direkte Reflexionen, auch frühe Reflexionen genannt, sind die ersten Reflexionen, die an den Seitenwänden, der Rück- und Frontwand, aber auch an Fußboden und Decke auftreten. Der dort reflektierte Schall erreicht den Hörplatz minimal später als der direkte Schall aus den Lautsprechern und besitzt noch viel Energie. Dadurch erscheint es so, als ob die Musik auch von den Wänden und nicht nur von den Lautsprechern her kommt, sodass einerseits die Stereobreite erhöht wird, allerdings auch die Ortung darunter leiden kann. Untersuchungen haben zwar gezeigt, dass der Direktschall die Richtung des Schallereignisses vorgibt und Reflexionen, die innerhalb einer bestimmten Zeit einftreffen keinen Einfluß darauf haben. Allerdings können Instrumente genauer geortet werden, wenn die direkten Reflexionen verringert werden. Die Instrumente sind dann genauer voneinander getrennt, man kann sagen, die Trennschärfe nimmt zu. Werden Absorber eingesetzt, um die Reflexionen zu verringern, wird auch die Stereobreite geringer, bei Diffusoren wird die Stereobreite größer.

Da die Reflexionen mit einer zeitlichen Verzögerung gegenüber dem Direktschall eintreffen, weisen sie eine andere Phasenlage als der direkte Schall auf. Dadurch treten Interferenzen auf, wenn beide Signale am Hörplatz aufeinander treffen. So entstehen bei manchen Frequenzen Auslöschungen und bei anderen Frequenzen Überbetonungen. Dieser Effekt wird Kammfiltereffekt genannt. Bei einem Hörversuch zu diesem Thema kam heraus, dass der Kammfiltereffekt, obwohl er vorhanden ist, nicht störend auffällt, eine Veränderung der Räumlichkeit beim Einsatz von Absorbern allerdings schon. Da allerdings jeder Mensch anders hört und die wahrgenommenen Signale anders verarbeitet, muss das Ergebnis des Hörversuchs nicht auf jeden Hörer zutreffen. Außerdem hat auch die Dauer der Verzögerung des reflektierten Signals Einfluss auf die Wahrnehmung der Reflexionen. Die Dauer wird durch die Position der Lautsprecher und des Sitzplatzes, sowie der Einrichtung des Raumes, z. B. durch einen Tisch direkt vor dem Hörplatz, auf dem auch Reflexionen auftreten, vorgegeben.
Die direkten Reflexionen an den Wänden können durch Schrägstellung der Wänden an der Hörposition vorbei gelenkt werden, was bei bestehenden Räumen natürlich einiges an Arbeit bedeutet, oder aber durch Einsatz von Absorbern oder Diffusoren reduziert werden, sodass um den Hörplatz herum eine reflexionsfreie Zone beim Einsatz von Absorbern oder eine reflexionsreiche Zone beim Einsatz von Diffusoren entsteht. In HiFi-Räumen ist der Einsatz von Diffusoren oft die bessere Variante.
Voraussetzung für die erfolgreiche Reduzierung der direkten Reflexionen ist die korrekte Positionierung der Akustikelemente.
Hier finden Sie eine Möglichkeit, die Positionen für Ihren Raum herauszufinden.