Raumakustik

Der hörbare Schall kann in vier Frequenzbereiche eingeteilt werden, in denen sich die Schallwellen in Räumen unterschiedlich ausbreiten. Diese Bereiche gehen fließend ineinander über und hängen unter anderem auch von der Raumgröße ab. Sie sind also von Raum zu Raum unterschiedlich.
Im Hochton- und oberen Mitteltonbereich kann von der Schallausbreitung in Strahlenform ausgegangen werden, bei der die mathematische Formel „Einfallswinkel = Ausfallswinkel“ gilt. Das bedeutet, dass sich der Schall geradlinig ausbreitet und an den meisten Gegenständen und an Wänden im gleichen Winkel reflektiert wird, wie er dort auftrifft.
Im unteren Mitteltonbereich gilt diese Formel nur noch begrenzt, da sich der Schall hier oft um Gegenstände, wie z. B. Tische und Schränke beugt, je nach Größe der Gegenstände. Natürlich beugt sich auch hochfrequenter Schall um Gegenstände, allerdings müssen die Objekte dafür sehr klein sein, sodass die Auswirkungen nicht auffallen. Probleme bietet diese Eigenschaft des Schalls hauptsächlich in Regieräumen von Tonstudios mit großen Mischpulten.
Der Bassbereich wird durch stehende Wellen, auch Eigenmoden genannt, geprägt. Diese bilden sich zwischen den Wänden und zwischen Fußboden und Decke und haben zwei Nachteile: Im Frequenzbereich bewirken sie ortsabhängige Lautstärkeunterschiede bei bestimmten Frequenzen, im Zeitbereich bewirkt die gespeicherte Energie, dass dieselbe Frequenz im Raum länger zu hören ist, als vom Künstler vorgesehen, bzw. auf der Aufnahme vorhanden. Ortsabhängige Lautstärkeunterschiede wirken sich so aus, dass ein Ton z. B. in der Mitte des Raumes kaum zu hören, aber an einer Wand oder Raumecke sehr laut ist. Unterhalb der untersten Eigenmode hat es der Schall schwer, sich auszubreiten und ist in der Regel leiser als oberhalb der untersten Eigenmode. Je kleiner der Raum, desto höher ist die Frequenz dieser Eigenmode.

Die unterschiedlichen Bereiche müssen auch unterschiedlich behandelt werden, um ein optimales Ergebnis zu erhalten. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es hier nicht, zumal auch die Geschmäcker und Ansichten über den perfekten Sound sehr unterschiedlich sind.
Der Hochtonbereich ist sehr einfach zu behandeln, indem Absorber und Diffusoren in den Raum eingebracht werden, es besteht dabei allerdings die Gefahr, diesen zu stark zu bedämpfen, da hier schon Teppiche und dünne Vorhänge wirken, sodass bei Einbringen von weiteren Absorbern schnell ein dumpfer Klang zustande kommt. Hier helfen Absorber, die nur im Mitteltonbereich wirken und hochfrequenten Schall wieder reflektieren. Auch Hochtondiffusoren können hier helfen, indem Sie den noch vorhandenen hochfrequenten Schall besser im Raum verteilen.
Allgemein ist eine ausgewogene Verteilung von Absorbern und Diffusoren der beste Weg zu einem ausgewogenen Klang. Absorber beruhigen den Klang, der Einsatz von Absorbern sollte bei privaten Hörräumen allerdings mit Sorgfalt vorgenommen werden, um einen zu sterilen Klang zu vermeiden. Diffusoren beleben den Klang und können die Abbildung vergrößern, sowie das Klangbild weiter in den Raum befördern und somit die Tiefe der Bühne vergrößern. Vorausgesetzt, sie werden korrekt positioniert. Hier finden Sie allgemeine Informationen zur Positionierung der Akustikelemente und hier eine Berechnungsmöglichkeit von kritischen Positionen in Ihrem Raum, die behandelt werden sollten.
Die Nachteile der Beugungen im Mitteltonbereich können nur durch geschicktes Positionieren der Möbel behandelt werden. Allgemein gilt, dass so wenig Möbel wie möglich zwischen Lautsprechern und Hörposition vorhanden sind, so sollten z. B. Tische nicht unbedingt direkt vor dem Sofa oder Sessel stehen, sondern lieber seitlich daneben. Wenn Sie allerdings keinen Unterschied bei verschiedenen Positionen der Möbel hören können, brauchen Sie sich darüber natürlich keine Gedanken machen.
Während es für den Hoch- und Mitteltonbereich allgemein gültige Regeln zur Auswahl und Positionierung der Produkte gibt, muss der Bassbereich für jeden Raum individuell untersucht werden. Bei quaderförmigen Räumen können die betroffenen Frequenzen berechnet werden. Wie stark die Lautstärkeunterschiede bei diesen Frequenzen sind, kann nicht vorhergesagt werden, da sie von verschiedenen Komponenten, wie z. B. Position und Größe der Fenster und Türen, abhängen. Für eine optimale Behandlung des Bassbereiches sollte der Raum untersucht werden. Das kann mit entsprechendem Equipment messtechnisch oder mit Testtönen nach Gehör geschehen. Der Bassbereich ist der einzige Bereich, der nicht überdämpft werden kann. Je mehr Bassfallen eingebracht werden, desto genauer ist der Klang.

Allgemein gilt, dass große Räume tendenziell besser klingen, als kleine Räume. Der Schall kann sich im Mittel- und Hochtonbereich nicht so gut verteilen und die Eigenmoden im Bassbereich haben relativ hohe Frequenzen, die nah beieinanderliegen, wodurch sich die negativen Auswirkungen addieren. Planer für Tonstudios verbauen in kleinen Räumen gerne viele Absorber, um die schlechten akustischen Verhältnisse des Raumes so weit wie möglich auszulöschen. Das ist für private Hörräume allerdings nicht zu empfehlen, da ein so behandelter Raum nicht mehr natürlich klingt – in der Natur kommen solche Räume nicht vor. Aus diesem Grund sollten Diffusoren bevorzugt werden, die den Raum größer klingen lassen können, als er ist.